Mercedes-Benz Actros 2646 LK 6 x 4

Der Stern verpflichtet

Actros BauDer Bau-Actros verlangt von seinen Betreibern nur wenige Kompromisse. Luftgefederte Außenplanetenachsen versprechen guten Fahrkomfort und hohe Reserven, die automatische Powershift-Schaltung entlastet den Fahrer.

Für die Bauwirtschaft gibt es den Bau-Actros und keine preisgünstige Adaption eines Straßentrucks mehr. Sein Auftritt ist betont robust, sein Erscheinungsbild prägen Prallbleche und Schutzwannen, die den Schutz sensibler Komponenten übernehmen. Scheinwerfergitter bewahren die Lichter vor Steinen und Ästen. Auf den ersten Blick erkennt man den Bau-Actros von Mercedes-Benz an seinen kratzfesten Außenspiegeln mit Riffeloptik – so knallen im Gelände keine Äste aufs teure Gehäuse. Die modisch taillierte Sonnenblende als Markenzeichen tragen allerdings die Onroad- und Offroad-Modelle des Bau-Actros gleichermaßen. Die Mercedes-Strategen haben das Baugeschäft mit Akribie durchleuchtet, der Bau-Actros präsentiert sich nicht als Generalist, sondern als Experte für den groben Einsatz. Ob das auch für den weichgespülten Actros-Dreiachser mit Luftfederung und Powershift-Schaltung zutrifft?
Komfort versus Verschränkbarkeit.

Betont selbstbewusst posiert er noch als „Truck of the Year 2009“ und goldfarben, wie es sich für ein Premiumprodukt gehört. Einer wie er verdient mit Dreiseitenkipper und Tandemanhänger sein Geld – als Schüttguttransporter für die Baustellenbelieferung, oft auch unterwegs mit zwei verschiedenen Materialien auf seinen getrennten Ladungsträgern. Mit mittellangem M-Fahrerhaus, Luftfederung und Bordmatik-Kipper von Meiller spielt der schwere Mercedes-Dreiachser nicht den Maximalisten, im Zugbetrieb mit dem Zentralachsanhänger darf er 23 t laden – ein vergleichbarer Sattelzug packt deren 26 und mehr. Die beiden Antriebsachsen, gut für bis zu 13 t Achslast, federn aufwändig mit acht Luftbälgen, die leer wie beladen für eine konstante Ladehöhe sorgen. Damit ist der Actros für den Winterdienst gerüstet – zusammen mit einer Kommunalhydraulik ist er auch für Straßenbauämter interessant. Der maßgeschneiderte kurze Radstand (3.300 mm) verleiht dem Dreiachser die nötige Wendigkeit. Mit gerader Vorderachse, Außenplanetenachsen hinten und Längs-/Quersperren käme der Bau-Actros im Gelände weit – allein die limitierte Verschränkbarkeit der luftgefederten Achsen bremst Offroad-Ambitionen.

Den Actros-Piloten erwartet ein hochwertiges Cockpit mit praxisgerechter Ausstattung, alles Nötige geht bestens zur Hand, nur langbeinige Fahrer wünschen sich die Sitzschienen ein wenig länger. Mit pneumatisch verstellbarem Lenkrad, Bordcomputer und Schaltkonsole am Sitz zieht der Kipperfahrer mit den Truckern des Fernverkehrs gleich. Elektrisch verstellbare Spiegel und die Fensterheber sitzen auf der Fensterbrüstung, da wo man sie erwartet – auch die Feststellbremse, ideal ins Armaturenbrett platziert, große Köcher für die große Mineralwasserflasche in den Türen:  Bau-Actrosfahrer müssen nicht darben. Das mittellange Format erweist sich als Idealbesetzung für den Bau – hinter den Sitzen bleibt reichlich Stauraum für Stiefel und Werkzeug, vielleicht auch für eine kleine Kühlbox und auf Wunsch für eine Klappliege. Der Motortunnel ist hoch, für einen Umstieg zur Seite etwas hinderlich, aber immerhin plan – eine überdimensionale Ablage für Papiere und mehr.

Der schwere Actros hat die nötigen Reserven, wir sind mit 800 kg mehr als erlaubt unterwegs. Knapp 460 PS leistet der zweitstärkste V6-Diesel der 501er-Baureihe, seine flache Drehmomentkurve auf hohem Niveau verspricht einen Büffelmotor mit hohem Anfahrvermögen. Gut 2.000 Nm bei 1.000 Umdrehungen, schon knapp darüber das Maximum, der etwas raue V-Diesel ist gut bei Kräften. Er hängt prima am Gas und benötigt selten Drehzahlen oberhalb der 1.500er-Marke. Bei Vollgas kann der Fahrer bis dahin bereits 97 Prozent der Nennleistung abfordern und hat bei sinkenden Drehzahlen an Steigungen noch immer üppige Reserven.

In Sachen Komfort schlägt sich der luftgefederte Actros eher auf die robuste Seite. Die gerade Vorderachse verantworten straffe 3-Blatt-Parabelfedern, auch der Hinterwagen rollt eher steifbeinig ab. Voll beladen federt der Actros manierlich, neigt sich jetzt in Kurven schon früh zur Seite. Die straffe Fahrerhausfederung hält hier dagegen, hat aber mit harten Querfugen ihre Mühe.

Fazit: Der Bau-Actros findet zu Recht Anklang bei den Kunden. Sein Konzept ist solide und bis ins Detail durchdacht. Das hochwertige Fahrerhaus und die einfache Bedienung sammeln Sympathiepunkte bei den Fahrern, die Betreiber schätzen den günstigen Kraftstoffverbrauch und das breite Sortiment. Bei der Fahrwerksabstimmung sehen wir noch etwas Luft nach oben, trotz Hightech-Komponenten  und Bau-Luftfederung.



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